In der Sammlung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin finden sich rund 4.000 Werke zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Dieser Teilbestand setzt sich überwiegend aus eigenen Beständen (Sammlung Nationalgalerie) zusammen. Hinzu kommen die Sammlung Marx, die Sammlung Ulla & Heiner Pietzsch sowie Teile der bei den Staatlichen Museen verankerten Sammlung Marzona. Außerdem werden die Kunstbibliothek und das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin im Museumsneubau zusätzliche Ausstellungsflächen erhalten.

Die Bestände der Nationalgalerie zur Kunst des 20. Jahrhunderts dokumentieren alle wesentlichen Kunstrichtungen Europas und Nordamerikas. Die Ausstellungsmöglichkeiten sind allerdings begrenzt: präsentiert wurde die umfangreiche Sammlung bis dato in der Neuen Nationalgalerie. In den letzten Jahrzehnten konnte die Kunst des 20. Jahrhunderts darum nur ausschnittweise und in wechselnden Präsentationen gezeigt werden.

Blick in die Ausstellung „Der geteilte Himmel" in der Neuen Nationalgalerie
Blick in die Ausstellung „Der geteilte Himmel" © Nachlass Heinrich Ehmsen / Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Roman März

Die Sammlung der Nationalgalerie zur Kunst des 20. Jahrhunderts

Im internationalen Vergleich zeichnet sich die Sammlung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin aufgrund ihrer spezifischen Geschichte besonders durch ihre gesellschaftskritische Relevanz aus. Historische Bedeutung für Deutschland hat die Sammlung durch den Zusammenschluss von Ost- und Westbeständen infolge der Wiedervereinigung.

Expressionismus, Kubismus, Arte Povera

Schwerpunkte der Sammlung liegen im deutschen Expressionismus, im französischen Kubismus, im Surrealismus, der Farbfeld-Malerei, der Kunst in der DDR, der internationalen westlichen Kunst nach 1960 sowie der Video- und Filmkunst. 2002 ergänzte Egidio Marzonas umfassende Schenkung die Sammlung der Nationalgalerie. Marzonas enzyklopädisch aufgebaute Sammlung umfasst über 600 Werke von rund 150 Künstlern, die der Konzeptkunst, der Minimal Art, der

Land Art, der Arte Povera und anderen Kunstentwicklungen der 1960er- und 1970er-Jahre zugeordnet werden können.

Von Kirchner bis Gursky

Zu den Künstlern, die in der Sammlung der Nationalgalerie mit besonders großen Werkgruppen vertreten sind, zählen Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann, Pablo Picasso, Werner Tübke, Gerhard Richter, Andreas Gursky, Jason Rhoades und Pipilotti Rist.

Ausstellungstrilogie zeigte Breite der Sammlung

Die 2010–2014 in der Neuen Nationalgalerie präsentierte Ausstellungstrilogie „Moderne Zeiten“, „Der geteilte Himmel“ und „Ausweitung der Kampfzone“ zeigte die Komplexität und Breite der Sammlung der Nationalgalerie zur Kunst des 20. Jahrhunderts.

Geschichte der Sammlung der Nationalgalerie

Die Sammlung der Nationalgalerie spiegelt ein Jahrhundert politische Geschichte Deutschlands. 1861 wurde die Nationalgalerie auf der Museumsinsel gegründet. In der „Galerie der Lebenden“ im Kronprinzenpalais wurden von 1919–1933 bedeutende Werke der Moderne präsentiert. Damit nahm die Nationalgalerie eine Schlüsselfunktion in der Kunstwelt ein.

Deutsche Teilung trennt auch die Sammlung

Durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg erlitt die Sammlung der Nationalgalerie umfangreiche Verluste. Ab 1949 wurde die Sammlung durch die Gründung zweier deutscher Staaten geteilt. Im Ostteil Berlins pflegte die (Alte) Nationalgalerie auf der Museumsinsel

einen Teil des Bestandes, der um die Kunst der DDR erweitert wurde. In West-Berlin setzte sich der Magistrat von Berlin für die Erweiterung des Bestandes ein. Die Sammlung hieß damals noch „Galerie des 20. Jahrhunderts“. 1968 eröffnete dafür Ludwig Mies van der Rohes „Neue Nationalgalerie“.

Hamburger Bahnhof als Museum der Gegenwartskunst

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden die Bestände der Kunst der Klassischen Moderne und der Nachkriegsmoderne in Ost und West in der Neuen Nationalgalerie zusammengeführt. Für die Kunst der Gegenwart wurde 1996 der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin als neuer Ausstellungsort erschlossen.

Weitere Sammlungen in der zukünftigen Neuen Nationalgalerie – Museum des 20. Jahrhunderts

Joseph Beuys: „DAS KAPITAL RAUM 1970–1977", 1980, Detail, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Sammlung Marx
Joseph Beuys: „DAS KAPITAL RAUM 1970–1977", Sammlung Marx, Nationalgalerie, SMB © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Foto: Thomas Bruns

Sammlung Marx

Im Zentrum der Sammlung Marx stehen fünf Künstlerpersönlichkeiten des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die für die Entgrenzung traditioneller Kunstformen international berühmt wurden: Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Robert Rauschenberg, Cy Twombly und Andy Warhol. Von ihnen enthält die Sammlung große Werkkomplexe, die die jeweilige künstlerische Entwicklung umfassend widerspiegeln.

Werke der US-amerikanischen Künstler Dan Flavin, Donald Judd, Roy Lichtenstein und Bruce Nauman vervollständigen das Panorama der künstlerischen Entwicklungen der 1960er/70er-Jahre der Sammlung Marx.

vorn: Max Ernst: „Junger Mann, beunruhigt durch den Flug einer nicht-euklidischen Fliege“, 1942-1947 (82 x 66 cm), Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Ausstellungsansicht Neue Nationalgalerie
Max Ernst, Junger Mann, beunruhigt durch den Flug einer nicht-euklidischen Fliege, Sammlung Ulla und Heiner Pietzsch, Ausstellungsansicht Neue Nationalgalerie © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Foto: Simon Vogel

Sammlung Ulla & Heiner Pietzsch

Seit 1964 legt das Ehepaar Ulla und Heiner Pietzsch eine außergewöhnliche Kunstsammlung an, die sich durch zwei miteinander verbundene Schwerpunkte auszeichnet: den europäischen Surrealismus und dessen Weiterentwicklung in den USA durch die Abstrakten Expressionisten.

In der Sammlung Pietzsch befinden sich unter anderem Arbeiten von Max Ernst, René Magritte und Joan Miró ebenso wie frühe Werke von Jackson Pollock, Mark Rothko und Mark Tobey. Maler wie Jackson Pollock und Mark Rothko griffen die Anregungen emigrierter Künstler wie André Masson und Max Ernst auf und entwickelten sie weiter.

 

 

Ausstellungsplattform Kunstbibliothek, Vergleichsansicht: Ausstellung „Avantgarde!“, Kunstbibliothek Berlin 2014
Ausstellungsplattform Kunstbibliothek, Ausstellungsansicht „Avantgarde!“, Kunstbibliothek Berlin 2014 © Dietmar Katz

Ausstellungsplattform der Kunstbibliothek

Die Kunstbibliothek ergänzt mit ihren Museumssammlungen zur Architektur, zur Buch- und Medienkunst, zum Design, zur Mode und zur Fotokunst die Sammlungen der Nationalgalerie und des Kupferstichkabinetts. Mit der Ausstellungsplattform der Kunstbibliothek in der Nationalgalerie20 werden diese Bestände zur Kunst des 20. Jahrhunderts erstmals im unmittelbaren Zusammenspiel für die Öffentlichkeit präsentiert. Die Plattform soll ein Experimentierlabor für die einzigartigen Archiv- und Museumssammlungen zur Moderne am Kulturforum werden. Im Mittelpunkt stehen das Mitmachen und das Mitgestalten.

Grafische Arbeiten von Pablo Picasso, Ausstellungsansicht Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett
Ausstellung mit grafischen Arbeiten von Pablo Picasso © Succession Picasso / VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Foto: H. Schulze Altcappenberg

Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett besitzt neben seinen weltberühmten historischen Beständen eine international herausragende Sammlung von 25.000 Zeichnungen und über 35.000 Druckgrafiken des 20. Jahrhunderts. Darunter befinden sich Konvolute zum deutschen Expressionismus, zur Neuen Sachlichkeit und zur internationalen Moderne. Der Bestand zur deutschen und angloamerikanischen Grafik nach 1945 hat seinen Schwerpunkt auf der Pop Art, Konzeptkunst und Minimal Art. Das Kupferstichkabinett wird im Museumsneubau regelmäßig zwei Räume mit eigenen medialen und thematischen Akzenten bespielen.