Die Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz am Kulturforum

Mit seinen Museen, Bibliotheken und Konzertsälen ist das Kulturforum in der Nähe des Potsdamer Platzes ein Ort der Kunst, Kultur und Wissenschaft. Hier sind international bedeutende Sammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz vereint.

Die außergewöhnliche Vielfalt der Sammlungen zeigt alle Facetten der neuzeitlichen europäischen Kunst-, Ideen- und Kulturgeschichte in den unterschiedlichsten Medien. Die bereits vorhandenen inhaltlichen Querverbindungen könnten durch den Neubau neu belebt und ausgebaut werden: etwa die Bezüge zwischen moderner Kunst und Literatur, Mode und Musik, Design und Filmgeschichte, Karten und Weltkulturgeschichte oder moderner und klassischer Kunstgeschichte.

Karl Hofer, Die schwarzen Zimmer (Ausschnitt)
Karl Hofer, Die schwarzen Zimmer (Ausschnitt) © VG Bild-Kunst, Bonn 2016 / Foto: bpk / Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Neue Nationalgalerie

Rund 4.000 Werke der Sammlung der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin gehören zur Kunst des 20. Jahrhunderts. Dieser Teilbestand setzt sich überwiegend aus eigenen Beständen zusammen. Hinzu kommen die Sammlung Marx, die Sammlung Pietzsch sowie Teile der bei den Staatlichen Museen verankerten Sammlung Marzona. Deutscher Expressionismus, französischer Kubismus, Surrealismus, Farbfeld-Malerei, Kunst der DDR, Kunst nach 1960 sowie Videokunst bilden die Sammlungsschwerpunkte.

Die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe wurde 1968 eröffnet. Es ist das einzige Bauwerk des Architekten, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland errichtet wurde. Das kubische Gebäude aus Glas und Stahl ist eine Ikone moderner Architektur und steht unter Denkmalschutz.

Tizian, Venus mit dem Orgelspieler, aus der Sammlung der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin
Tizian, Venus mit dem Orgelspieler © bpk / Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Gemäldegalerie

Die Gemäldegalerie der Staatlichen Museen zu Berlin besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen europäischer Malerei vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Meisterwerke aus allen Epochen, darunter Gemälde von Jan van Eyck, Pieter Bruegel, Albrecht Dürer, Raffael, Tizian, Caravaggio, Peter Paul Rubens, Rembrandt und Jan Vermeer van Delft sind hier ausgestellt. Einen Schwerpunkt der Sammlung bilden die deutsche und italienische Malerei des 13. bis 16. sowie die niederländische Malerei des 15. bis 17. Jahrhunderts.

Im Jahr 1987 erhielt das Architekturbüro Hilmer & Sattler den Auftrag für den Neubau der Gemäldegalerie. Im Stil preußischer Strenge erhebt sich das schlichte Gebäude, dessen Räume um eine lichte Wandelhalle gruppiert sind, über der Piazzetta. 1998 wurde die Gemäldegalerie eröffnet.

Ballkleid mit Streifendekor, Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin
Ballkleid mit Streifendekor © Kunstgewerbemuseum, Staatliche Museen zu Berlin / Stephan Klonk

Kunstgewerbemuseum

Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Museen zu Berlin ist das älteste seiner Art in Deutschland. Es beherbergt weltberühmte Zeugnisse des europäischen Kunsthandwerks und Designs vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart, darunter prunkvolle Reliquiare aus Gold und Edelstein, kostbare Vasen aus Glas oder Porzellan, fein bestickte Kleider, detailreich intarsierte Möbel bis hin zu Klassikern modernen Industriedesigns.

Das Haus am Kulturforum entstand bis 1985 nach den Entwürfen von Rolf Gutbrod, einem der führenden deutschen Architekten der 1960er Jahre. Kennzeichnend für seine Architektur ist die Sichtbarkeit konstruktiver Elemente. Von 2012 bis 2014 wurde der Gutbrot-Bau vom Architekturbüro Kuehn Malvezzi in weiten Teilen umgestaltet.

Héloïse Leloir, L'Iris - Moniteur des Modes: zwei Damen in Konzert- und Haustoiletten, Druckgrafik © Foto: Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Fotograf/in: Anna Russ
Héloïse Leloir, L'Iris - Moniteur des Modes: zwei Damen in Konzert- und Haustoiletten © Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin / Anna Russ

Kunstbibliothek

Die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin ist eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung mit einer der weltweit größten Museumsbibliotheken. Hinzu kommen bedeutende Sammlungen zur Geschichte der Architektur, der Fotografie, des Grafikdesign und der Mode. Die Bibliothek und die Museumssammlungen repräsentieren gemeinsam das ganze Quellenspektrum der kunst- und kulturwissenschaftlichen Forschung.

Die Kernaufgaben der Kunstbibliothek sind die fächerübergreifende Vernetzung und Literaturversorgung der fachwissenschaftlichen Disziplinen in den Staatlichen Museen zu Berlin. Mit ihren Forschungen und Ausstellungen öffnet sie neue Perspektiven auf die Geschichte der Bildmedien, Architektur, Mode sowie auf die gemeinsame Geschichte von abendländischer und außereuropäischer Kunst.

Karl Friedrich Schinkel, Die Zauberflöte. Oper von Wolfgang Amadeus Mozart. Entwurf zur 2. Dekoration. Die Sternenhalle der Königin der Nacht, Zeichnung, Sammlung Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin
Karl Friedrich Schinkel, Die Zauberflöte. Entwurf zur 2. Dekoration © Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin / Jörg P. Anders

Kupferstichkabinett

Das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin gehört als Museum der grafischen Künste zu den vier bedeutendsten Einrichtungen seiner Art weltweit und besitzt die umfangreichsten Kunstsammlungen in Deutschland. Diese umfassen etwa 550.000 druckgrafische Werke und 110.000 Zeichnungen, Aquarelle, Ölskizzen und illustrierte Bücher.

Die Bestände repräsentieren 1.000 Jahre Kunst-, Kultur- und Mediengeschichte mit Meisterwerken von Sandro Botticelli über Albrecht Dürer, Rembrandt, Adolph Menzel und Vincent van Gogh, Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso bis hin zu Andy Warhol und Künstlern der Gegenwart. Mit seinen Schätzen ist das Haus ein zentraler Ort künstlerischer Ideen, Bilder und Ausdrucksformen Europas und der mit Europa verbundenen Weltkulturen.

Detail aus dem Diez-Album fol. 71, Lautenspieler und Weintrinker
Detail aus dem Diez-Album fol. 71, Lautenspieler und Weintrinker
© Staatsbibliothek zu Berlin

Staatsbibliothek zu Berlin

Als größte wissenschaftliche Universalbibliothek Deutschlands ist die Staatsbibliothek zu Berlin mit ihren zwei großen Standorten Unter den Linden und am Kulturforum ein Zentrum der nationalen und internationalen Literaturversorgung. Über 11 Millionen Bände umfasst der Druckschriftenbestand, hinzu kommen alte und seltene Drucke, abendländische und orientalische Handschriften, Musikautographe, Autographe und Nachlässe, Karten, historische Zeitungen und Kinder- und Jugendbücher. Ergänzt werden die Bestände durch Datenbanken, elektronische Volltexte und Digitalisate.

Das Gebäude an der Potsdamer Straße eröffnete 1978. Es wurde nach Plänen von Hans Scharoun und unter Mitwirkung von Edgar Wisniewski errichtet, der damit das Konzept der „Stadtlandschaft“ weiterentwickelte.

Seiten aus der Kunst- und Theater-Zeitschrift „Comoedia para todos“ (Nr. 85, 1932-3)
Seiten aus der Kunst- und Theater-Zeitschrift „Comoedia para todos“ (Nr. 85, 1932-3), © Ibero-Amerikanisches Institut

Ibero-Amerikanisches Institut

Das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) ist eine interdisziplinär orientierte Einrichtung des wissenschaftlichen und kulturellen Austausches mit Lateinamerika, der Karibik, Spanien und Portugal. Das IAI ist ein Informations-, Forschungs- und Kulturzentrum. Es beherbergt ein Wissensarchiv mit der weltweit zweitgrößten Spezialbibliothek für den ibero-amerikanischen Kulturraum. Die Sondersammlungen des IAI umfassen unter anderem Nachlässe, Landkarten, Tonträger, Fotos, Filme, Plakate oder Grafiken. Die Digitalen Sammlungen ermöglichen den ortsunabhängigen Zugang zu einzigartigen Beständen des IAI.

Das IAI wurde 1930 gegründet. Seit 1962 ist es eine Einrichtung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sitz ist der Bau von Hans Scharoun an der Potsdamer Straße, in dem auch die Staatsbibliothek zu Berlin untergebracht ist.

Hieronymus Albrecht Hass, Clavichord, gebunden, Musikinstrumenten-Museum, Staatliches Institut für Musikforschung
Hieronymus Albrecht Hass, Clavichord, gebunden © Musikinstrumenten-Museum, Staatliches Institut für Musikforschung / Jürgen Liepe

Staatliches Institut für Musikforschung mit Musikinstrumenten-Museum

Das Staatliche Institut für Musikforschung ist eine musikwissen-schaftliche Forschungseinrichtung. Dabei ist es ebenso ein Ort historisch-theoretischer Reflexion wie deren lebendiger Vermittlung an ein breites musikinteressiertes Publikum. Hierfür besitzt das Institut mit seinem Musikinstrumenten-Museum ein ideales Forum, das für vielfältige Veranstaltungen, vom wissenschaftlichen Symposion über Gesprächskonzerte bis hin zu interaktiven Klanginstallationen, genutzt wird. Forschungsschwerpunkte sind die Interpretationsforschung, die historische Musiktheorie, die Instrumentenkunde und die Klangforschung.

Das von Hans Scharoun konzipierte Gebäude wird nach Scharouns Tod von dessen Schüler Edgar Wisniewski gebaut und 1984 eröffnet.

Weitere Einrichtungen am Kulturforum

Philharmonie

Zwischen 1960 und 1963 wurde am Kulturforum die Berliner Philharmonie nach Plänen von Hans Scharoun errichtet. Ihre ungewöhnliche, zeltartige Form und ihre weithin leuchtende, gelbe Farbe macht sie zu einem den Wahrzeichen der Stadt. Seit dem Eröffnungskonzert unter Leitung von Herbert von Karajan haben die Berliner Philharmoniker zusammen mit großartigen Dirigenten und Solisten ihrem Publikum viele grandiose Konzerte beschert.

Stiftung St. Matthäus

Die St. Matthäus-Kirche beheimatet heute die Stiftung St. Matthäus, die Kunst- und Kulturstiftung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die Stiftung fördert in Projekten und Kooperationen das nachhaltige Gespräch der Kirche mit Künstlerinnen und Künstlern. Ursprünglich von Friedrich August Stüler zwischen 1844–46 erbaut, wurde die Kirche im Zweiten Weltkrieg erheblich zerstört. Zwischen 1956–60 wurde sie wiederaufgebaut.

Wissenschaftszentrum Berlin

Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung erforscht grundlegende Probleme moderner Gesellschaften. Rund 160 deutsche und ausländische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen forschen interdisziplinär. Sie kommen unter anderem aus der Soziologie, Politikwissenschaft, Ökonomie, Rechtswissenschaft und Psychologie. Die Ergebnisse der WZB-Forschung richten sich an eine wissenschaftliche Öffentlichkeit und an Interessierte aus Politik, Wirtschaft, Medien und Gesellschaft.

Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Die Sammlung des Arsenal – Institut für Film und Videokunst besteht aus rund 6000 Werken. Sie ermöglicht Einblicke in historische Impulse der internationalen Filmgeschichte ebenso wie in aktuelle Strömungen der Film- bzw. Videokunst. Entstanden ist das Arsenal aus dem Wunsch, die Filme des Berlinale Forums über die Zeit des Filmfestivals hinaus einem internationalen Publikum zugänglich zu machen. Einen Schwerpunkt bietet der Grenzbereich zwischen Film und Bildender Kunst.