Wechselvolle Geschichte des Kulturforums

Das Kulturforum ist geprägt von seiner wechselvollen Geschichte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte es sich zu einem bürgerlichen Wohnquartier, in dem viele Protagonisten der Avantgarde ihr Zuhause fanden. In den 1930er Jahren erfuhr das Quartier radikale Umplanungen durch die Nationalsozialisten. Zahlreiche Häuser wurden für die geplante Nord-Süd-Achse von Albert Speer abgerissen und die Struktur des Wohnviertels zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann mit Hans Scharoun als Stadtrat für Bau- und Wohnungswesen eine intensive Planungs- und Entwicklungsphase für das Kulturforum.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz entwickelte während der Zeit der deutschen Teilung das Kulturforum zu ihrem Schwerpunktstandort. Hier entstanden die meisten Neubauten. Mit dem Neubau eines Museums für die Kunst des 20. Jahrhunderts wird das Kulturforum nun weiterentwickelt.

Chronik – Vom Tiergartenviertel zum Kulturforum

Die St. Matthäus-Kirche im bürgerlichen Tiergartenviertel (1920)
Die St. Matthäus-Kirche im bürgerlichen Tiergartenviertel (1920) © bpk

ab 1685
Ansiedlung französischer Hugenotten

18. Jahrhundert
Erste Sommerhäuser entlang der Tiergartenstraße (ab 1790)

ca. 1840
Friedrichvorstadt in der Grundstruktur errichtet

1844–46
Bau der St. Matthäus-Kirche durch Friedrich August Stüler

1888
Erste Botschaft (China) im Tiergartenviertel



1937
Beschluss zur Neugestaltung der Reichshauptstadt durch Albert Speer

ab 1938
Abriss von Wohnhäusern für die Nord-Süd-Achse

1938
Baubeginn Haus des Fremdenverkehrs am zukünftigen “Runden Platz”

ab 1940
Beginn des Mordes an Patienten der Psychiatrie und anderen kranken Menschen in der Tiergartenstr. 4 (sog. Aktion T4)

1943–45
Bombardierung und weitgehende Zerstörung des Tiergartenviertels


Der zerstörte Kemperplatz, in der Mitte das Haus des Fremdenverkehrs. Aufnahme von 1945
Der zerstörte Kemperplatz, in der Mitte der Rohbau des Hauses des Fremdenverkehrs (1945)
© Landesarchiv Berlin
Blick über das Kulturforum. Im Hintergrund Beginn der Bauarbeiten an der Neuen Nationalgalerie (1966)
Blick über das Kulturforum. Im Hintergrund Beginn der Bauarbeiten an der Neuen Nationalgalerie (1966)
© bpk / Rolf Koehler

1946
Kollektivplan zur Neugestaltung Berlins, erstellt durch Hans Scharoun

1956
Wettbewerb Konzerthaus des Berliner Philharmonischen Orchesters am Standort Bundesallee, 1. Preis Hans Scharoun

1956–60
Wiederaufbau der St.-Matthäus-Kirche

1959
Entscheidung des Senats zur Verlegung der Philharmonie an den Kemperplatz, um die Gesamtberliner Bedeutung zu betonen



1960–63
Bau der Philharmonie

1963–68
Bau der Galerie des 20. Jahrhunderts durch Ludwig Mies van der Rohe

1963/64
Realisierungswettbewerb zum Bau der neuen Staatsbibliothek mit städtebaulichem Ideenteil; 1. Preis Hans Scharoun

1965
Stiftung Preußischer Kulturbesitz übernimmt die Galerie des 20. Jahrhunderts als „Neue Nationalgalerie"

Die Stahldachkonstruktion der Neuen Nationalgalerie wurde mit Hilfe von hydraulischen Pressen angehoben und auf acht Stützen abgesenkt, Aufnahme von 1967
Die Stahldachkonstruktion der Neuen Nationalgalerie wurde mit Hilfe von hydraulischen Pressen angehoben und auf acht Stützen abgesenkt (1967) © Zentralarchiv, Staatliche Museen zu Berlin
Die Neue Nationalgalerie kurz nach ihrer Eröffnung (1968)
Die Neue Nationalgalerie kurz nach ihrer Eröffnung (1968) © Staatliche Museen zu Berlin / Reinhard Friedrich

1965/66
Offener Wettbewerb für die Staatlichen Museen; nach Überarbeitung Auftrag an Rolf Gutbrod

1967–1976
Bau der Neuen Staatsbibliothek

1968
Vorentwurf für einen Kammermusiksaal: Direktauftrag an Hans Scharoun

1969
Planungsbeginn Musikinstrumenten-Museum/Staatliches Institut für Musikforschung, ebenfalls Direktauftrag an Hans Scharoun


1972
nach Scharouns Tod Weiterführung der Bauten durch Edgar Wisniewski

1978–85
Bau des Kunstgewerbemuseums durch Rolf Gutbrod

1979–82
Bau des Musikinstrumenten-Museums durch Edgar Wisniewski

1984
Wettbewerb Oberflächengestaltung Piazzetta; 1. Preis Heinz Mack

1984–87
Bau des Kammermusiksaals durch Edgar Wisniewski


Das Kulturforum mit Neuer Nationalgalerie, Staatsbibliothek und Philharmonie. im Hintergrund beginnen die Bauarbeiten zum Kunstgewerbemuseum (1978)
Das Kulturforum mit Neuer Nationalgalerie, Staatsbibliothek und Philharmonie. im Hintergrund beginnen die Bauarbeiten zum Kunstgewerbemuseum (1978) © bpk / Rolf Koehler
Blick vom Dach der Ruine von Haus Vaterland am Potsdamer Platz auf Haus Huth (um 1978)
Blick vom Dach der Ruine von Haus Vaterland am Potsdamer Platz auf Haus Huth (um 1978) © bpk / Michael Sobotta

1985/86
Kritische Diskussion um Gutbrod-Konzept für die Museen und Ausschreibung eines neuen Wettbewerbs: zwei 2. Preise werden vergeben (Hilmer & Sattler und Albrecht; Schürmann)

1987
Auftrag an Hilmer & Sattler und Albrecht zur Fortführung der Museumsbauten von Gutbrod und zum Neubau der Gemäldegalerie

1989
Fall der Berliner Mauer




1991
Städtebaulicher Wettbewerb Potsdamer/Leipziger Platz (Kulturforum war ausgeklammert), 1. Preis: Hilmer & Sattler und Albrecht (mit Ideen für Gelenk zum Kulturforum)

1997/98
Landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb mit städtebaulichem Anteil Kulturforum; 1. Preis: Valentien + Valentien und Hilmer & Sattler und Albrecht; im Juni 1998 Fertigstellung der Platzgestaltung im Realisierungsbereich (mit Ausnahme des privaten Grundstücks)

1998
Eröffnung der Gemäldegalerie


Eingang zum Kulturforum über die Piazzetta
Eingang zum Kulturforum über die Piazzetta © bpk / Hans-Christian Krass
2015 wurde die Neue Nationalgalerie beräumt und für die Sanierung vorbereitet, Blick in die leeren Ausstellungsräume
2015 wurde die Neue Nationalgalerie beräumt und für die Sanierung vorbereitet, Blick in die leeren Ausstellungsräume © Fabian Fröhlich

2006
Abgeordnetenhaus von Berlin beschließt Masterplan zur Weiterentwicklung des Kulturforums

2009/10
Freiraumkonzept von Valentien + Valentien wurde überarbeitet und abgestimmt

2014
Beginn der Sanierung und umfassenden Grundinstandsetzung der Neuen Nationalgalerie

2015
Umsetzung des Freiraumkonzeptes im nördlichen Bereich (Parkplatz Philharmonie) beginnt

Quelle: Senat für Stadtentwicklung und Umwelt